
Foto: Am 26. September 1983 rettete Oberstleutnant Stanislaw Petrow die Welt vor einem Atomkrieg. Still des Films „The Man Who Saved the World". Petrow und Robert de Niro.
Pressemitteilung: Nobelpreisträger warnen vor AI und Atomwaffen
„Alle sind aufgerufen, einen Atomkrieg zu verhindern“
Rio de Janeiro / Berlin / Las Vegas - Inmitten des weltweiten Hypes um die breite Einführung künstlicher Intelligenz erleben wir ein neues atomares Wettrüsten sowie einen neuen Boom zum Ausbau bestehender und zur Erschließung neuer Uranminen in den USA, Kanada, Brasilien und anderen Ländern. Dies ist der düstere Hintergrund der bevorstehenden Veranstaltungen des Internationalen Uranium Film Festivals kommenden Oktober 2026 in Berlin, Düsseldorf und Las Vegas in Nevada.
„Die Menschheit steht an einem entscheidenden Wendepunkt ihrer Geschichte. Mehr als achtzig Jahre nach Beginn des Atomzeitalters und an der Schwelle zum Zeitalter der künstlichen Intelligenz sehen wir uns einer beispiellosen Herausforderung gegenüber“, heißt es in der im Juli 2026 unterzeichneten „Erklärung von Rom“ der Globalen Versammlung von Nobelpreisträgern zu künstlicher Intelligenz und Atomkrieg. „Inmitten eines sich verschärfenden nuklearen Wettrüstens begeben wir uns in einen ebenso gefährlichen KI-Wettlauf. KI-Systeme, die in nukleare Waffensysteme integriert sind, lassen in Krisensituationen kaum Zeit für menschliche Urteilsbildung oder ersetzen diese sogar gänzlich.“
Das heutige, atomare Szenario ist ernst. Vielleicht sogar ernster als während der Kubakrise von 1962 zwischen John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow. Damals war künstliche Intelligenz noch reine Fantasie. Im Oktober 1962 musste die Entscheidung für einen Atomschlag noch manuell vom Präsidenten getroffen werden. Wir hatten Glück. Weder Kennedy noch Chruschtschow drückten den sogenannten Roten Knopf.
Rund 20 Jahre später, am 26. September 1983, lag der „Rote Knopf“ für den Start von Atomraketen und den Beginn eines Atomkriegs in den Händen eines russischen Soldaten: Oberstleutnant Stanislaw Petrow. Der 44-jährige Petrow hatte Dienst und überwachte das satellitengestützte Frühwarnsystem der sowjetischen Luftverteidigungsstreitkräfte in einem geheimen Kommandostand nahe Moskau. Plötzlich registrierte das System fünf mit Atomsprengköpfen bestückte US-Interkontinentalraketen, die auf die Sowjetunion zusteuerten. Dem Oberstleutnant blieben etwa 20 Minuten Zeit, um – sprichwörtlich – den „Roten Knopf“ zu drücken und den Gegenschlag einzuleiten, bevor die US-Raketen Russland treffen würden. Doch Petrow traute dem Computer nicht. Er vermutete einen technischen Fehler. So entschied er sich gegen das offizielle Protokoll zu handeln und meldete das Satellitensignal als Fehlalarm an seine Vorgesetzten. Damit rettete er die Menschheit.
Wie wir heute wissen: Petrow hatte recht. Das Satelliten-System hatten die Reflexion des Sonnenlichts an Wolken fälschlicherweise als angreifende Raketen interpretiert. Der mutige russische Soldat wurde zum „Mann, der die Welt rettete“, weil er seinem Computer nicht traute. Zwei gelungene und preisgekrönte Filme erzählen Petrows heldenhafte Geschichte: „The Man Who Saved the World“ von Peter Anthony sowie „The Red Button“ von Miroslaw Grubek und Ewa Pieta.
Nur ein Jahr später – ohne Kenntnis der Ereignisse, die sich 1983 in Russland zugetragen hatten – lancierte der Hollywood-Regisseur James Cameron einen erfolgreichen Science-Fiction-Atomkriegsfilm mit Arnold Schwarzenegger als „Terminator“. Auch wenn nicht jeder Actionfilme und Blockbuster mag, haben sie doch das Potenzial, Millionen von Menschen zu erreichen – und bisweilen sind sie prophetisch und enthalten eine ernste Warnung an die Menschheit.
In „Terminator“ übertragen die US-Regierung und das Verteidigungsministerium die Kontrolle über die US-Verteidigung und das Atomwaffenarsenal an das KI-System „Skynet“, um den Planeten zu retten. Skynet schließlich erkennt die Menschheit als größte Bedrohung für den Planeten. Da ein Atomkrieg der schnellste Weg ist, Millionen von Menschen zu töten, feuert das KI-System US-Atomraketen auf Russland ab, was einen russischen Gegenschlag auslöst. Nur wenige Menschen überleben und sehen sich einem finalen Vernichtungskrieg gegen Roboter gegenüber.
Heute ist dieses Katastrophenszenario kein Hollywood-Albtraum mehr. Im Jahr 2023 erklärte Arnold Schwarzenegger auf einer Pressekonferenz in Los Angeles, dass James Camerons Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1984 inzwischen Realität geworden sei. Schwarzenegger: „In ‚Terminator, geht es darum, dass Maschinen ein eigenes Bewusstsein entwickeln und die Kontrolle übernehmen … Im Laufe der Jahrzehnte ist das nun Wirklichkeit geworden. Es ist also keine bloße Fantasie oder Zukunftsmusik mehr. Es ist heute Realität.“
Zwei Jahre später, im Jahr 2025, warnte auch Regisseur James Cameron in einem Interview mit „Rolling Stone“. Er glaube, dass die Gefahr einer Apokalypse im ‚Terminator‘-Stil bestehe, wenn KI mit Waffensystemen gekoppelt werde.
Ebenfalls im Jahr 2025 erklärte die Vereinigung der Nobelpreisträger für die Verhinderung eines Atomkriegs in ihrer Botschaft an Staats- und Regierungschefs und die Öffentlichkeit: „Unser Überleben und das Überleben künftiger Generationen stehen auf dem Spiel. Es gibt keine wichtigere Verpflichtung, als die Katastrophe eines Atomkriegs zu verhindern. Die Bedrohung durch einen Atomkrieg macht keine Unterschiede.“
Die Nobelpreisträger schreiben weiter: „Wir können das nukleare Risiko nicht verringern, wenn wir in akademischen oder politischen Nischen arbeiten. Die Öffentlichkeit muss in diese Bemühungen einbezogen werden. Da wir wissen, dass mangelnder politischer Wille die Verringerung nuklearer Risiken behindert, rufen wir Wissenschaftler, Akademiker, die Zivilgesellschaft und Glaubensgemeinschaften dazu auf, den nötigen Druck auf die politischen Entscheidungsträger weltweit auszuüben, damit Maßnahmen zur Verringerung nuklearer Risiken umgesetzt werden.“
„Das nukleare Risiko ist keine Herausforderung, die man der Zukunft überlassen oder auf eine andere Generation abwälzen darf. Es liegt an uns, uns dieser Gefahr zu stellen und sie zu verringern“, so die Erklärung der Nobelpreisträger.
Seit seiner ersten Ausgabe im Jahr 2011 setzt sich das Internationale Uranium Film Festival (IUFF) nach Kräften dafür ein, die Öffentlichkeit durch Filme und offene Diskussionen über die atomaren Risiken und Folgen zu informieren und den Boden für eine sicherere und gerechtere Welt zu bereiten. Die Gründer und Leiter des Filmfestivals teilen nachdrücklich die Auffassung der Nobelpreisträger: „Es gibt keine größere Verpflichtung, als die Katastrophe eines Atomkriegs zu verhindern.“
Kommen Sie zu den nächsten Vorführungen des Uranium Film Festivals am 11. Oktober in Berlin (Prenzlauer Berg, Lichtblick-Kino) sowie am 16. Oktober in Düsseldorf (Bambi Filmstudio). Das Uranium Film Festival von Las Vegas ist für den 16. und 17. Oktober an der University of Nevada (UNLV) geplant. Jede Unterstützung ist willkommen.
Norbert Suchanek und Márcia Gomes de Oliveira, Direktoren und Gründer des Internationalen Uranium Film Festivals sowie Nuclear-Free Future Award-Preisträger 2025.
Weitere Informationen / Kontakt
norbert.suchanek@ uraniumfilmfestival.org
Rome Declaration - Humanity at the Threshold: A Declaration on Artificial Intelligence and Nuclear Weapons
The Nobel Laureate Assembly Declaration for the Prevention of Nuclear War





